Die Schweizerische Grönlandexpedition startete am 20. Juni 1912 am Rand des Gletschers Eqip Sermia ins Innere des grönländischen Eisschilds. Alle sieben Grönlandreisenden und fünf Inuit, begleitet von 29 Hunden, zogen und hievten auf 600 m über Meer drei volle Schlitten und sich selbst das ansteigende, unebene Eis hinauf. Eine geballte Ladung Schub für die erfolgreiche Bewältigung der Hunderte Kilometer langen Strecke bis Ostgrönland. Die vierköpfige Ostgruppe unter der Leitung von Alfred de Quervain war dadurch und dank ausgezeichneter Vorbereitung optimal positioniert und nahm die Querung unter die Füsse bzw. Kufen.
Nicht Teil des Teams waren die drei Mitglieder der Westgruppe. Ihnen ist der folgende Beitrag gewidmet.
Moderne Schädlingsbekämpfung und die vielen Gesichter des Multilateralismus: Vittorio Delucchis Leben im Übergang
Als der Entomologe Vittorio Delucchi im Januar 1968 die ETH betrat, war es eine Heimkehr; eine, für die man ihm einen roten Teppich bis nach Rom ausgerollt hatte. Der Tessiner widmete seine Forschungskarriere der Idee, Schädlinge mit anderen Schädlingen zu bekämpfen. Er war ein Pionier dieser Methode, die sich zur Zeit seines Wirkens als Alternative zur chemischen Schädlingsbekämpfung etablierte.[i] Delucchi war als Gründer des Instituts für Phytomedizin und langjähriger Professor eine wichtige Figur an der ETH. Seine frühe Karriere verbrachte er allerdings beim Commonwealth Institute of Biological Control (CIBC) und der Food and Agriculture Organisation (FAO) der UN. Auch darüber hinaus und danach bewegte er sich in einem sehr internationalen Umfeld. Delucchi war Mitgründer der International Organisation for Biological Control und arbeitete in zahlreichen Ländern, häufig in Nord- und Westafrika.[ii] In der entomologischen Sammlung der ETH liegt die unveröffentlichte Autobiografie des Insektenforschers. Sie erlaubt einen Rückblick auf eine ergiebige Wissenschaftskarriere, aber auch Einblicke in die Ambivalenz der Intervention von multilateralen Organisationen im Zeitalter der Dekolonisierung.
Franz Ungers (1800-1870) botanische Forschungen in der Gebirgswelt
Der Mediziner und Botaniker Franz Unger (1800-1870) veröffentlichte 1836 sein Werk Ueber den Einfluss des Bodens auf die Vertheilung der Gewächse, nachgewiesen in der Vegetation des nordöstlichen Tirol’s. Darin beschrieb er seine Feldforschungen zum Vorkommen von Pflanzen aufgrund der Bodenbeschaffenheit und der klimatischen Verhältnisse in der Umgebung von Kitzbühel.
The Evidence for Easter – oder was man sonst so im Hochschularchiv findet
Im Hochschularchiv der ETH Zürich werden über fünfzehntausend Bestände von Privatpersonen mit ganz unterschiedlichem Inhalt aufbewahrt. Einer davon ist der Bestand Hs 1405, der Fremdmanuskripte umfasst, die von Carl Alfred Meier gesammelt wurden. C. A. Meier war ein Schweizer Psychiater und Psychologe sowie ein enger Freund von Carl Gustav Jung.
In diesem Bestand finden sich unter anderem zwei Manuskripte von Samuel MacLean Gilmour zum Osterglauben: „The Evidence for Easter” (Hs 1405:90) und „Theology and Psychology of the Easter Faith” (Hs 1405:91).
Die Villa Wesendonck – Ein architektonischer Knotenpunkt zwischen globalem Handelskapital, politischem Exil und der ETH-Geschichte
Betrachtet man das heutige Museum Rietberg im Zürcher Quartier Enge, so richtet sich der Blick meist auf die Sammlungen aussereuropäischer Kunst. Das Hauptgebäude jedoch, die Villa Wesendonck (Abb.1), repräsentiert eine andere, ähnlich globale Geschichte, die in den Handelsbeziehungen des europäischen Bürgertums verwurzelt ist.[1]
Duftende Chemie: Wie aus Walkotze und Drüsensekreten verführerische Parfums werden
Gerüche sind tägliche Begleiter, Kommunikationsmittel, Kulturträger. Sie wecken Erinnerungen und Emotionen. Doch wie hat man Pflanzen und Tieren einst ihre Düfte entlockt? Was machte den Geruch von Walen und manchen Paarhufern bis heute so populär und welche Rolle spielte dabei der Herr der (Kohlenstoff)ringe, besser bekannt als ETH-Nobelpreisträger Leopold Ruzicka? Antworten finden sich in der Chemischen und Pharmakognostischen Sammlung D-CHAB.
Vier Steinreihen zur Messung der Bewegung des Rhonegletschers
Erst im Juni 1874 entschied die Gletscherkommission im Einvernehmen mit dem Eidgenössischen Stabsbüro, dass während zwei Jahren eine genaue Vermessung, topographische Aufnahme und sonstige Beobachtungen an einem Gletscher, dem Rhonegletscher, stattfinden sollten. Das Projekt musste innerhalb weniger Tage aufgegleist werden, wenn man die schon angebrochene Sommersaison nicht verlieren wollte.
Die Urschweiz als Paradies: Wissenschaft, Glaube und koloniale Imagination bei Oswald Heer
Oswald Heer (1809–1883) war eine prägende und vielschichtige Person der wissenschaftlichen Landschaft Zürichs im 19. Jahrhundert. Heer war nicht nur Professor für Botanik und Entomologie am Eidgenössischen Polytechnikum – der heutigen ETH – und Direktor des Botanischen Gartens Zürich, sondern auch ausgebildeter reformierter Theologe.[1] In seiner Arbeit begegnen sich die Kanzel und das Labor nicht als Gegensätze, sondern als zwei Zugänge, die er parallel nutzt, um Welt und Natur zu verstehen. In seinem Hauptwerk Die Urwelt der Schweiz von 1865[2] interpretiert er die Vielfalt an fossilen Pflanzen, Tieren und Gesteinen als Ausdruck eines göttlichen Plans, der in der Naturgeschichte abgelesen werden kann.[3] Diese enge Verflechtung von Wissenschaft und christlichem Gottesbild prägen Heers Vision von einer warmen und ‹tropischen› Urwelt der Schweiz im Miozän, vor etwa 13 Millionen Jahren.
Der Nachlass eines ganz ordentlichen Nobelpreisträgers
Wer von Richard R. Ernsts feinsäuberlicher Schrift und seinen gut strukturierten Vorlesungen an der ETH Zürich gehört hat, dürfte nicht sonderlich davon überrascht sein, dass sich diese Ordnungsliebe auch durch die Verwaltung seiner persönlichen Unterlagen gezogen hat. Der ehemalige Professor für Physikalische Chemie der ETH Zürich hat sich insbesondere durch seine bahnbrechenden Entdeckungen in der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR), welche heute noch die theoretischen Grundlagen der heutigen MRI-Technologie bilden, als Wissenschaftler einen Namen gemacht. Im Jahr 1991 wurde seine Anwendung der Fourier-Transformation, die eine bedeutend effizientere Bestimmung molekularer Strukturen ermöglichte, mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.
Staatswälder im Kartenbild: Die Forstkarte Finnlands von 1924
Wenn wir auf eine Landkarte blicken, die fast nur aus Grün, Blau und feinen Linien besteht, sehen wir dann unberührte Wildnis oder ein streng kalkuliertes Ressourcennetz? Die im Jahr 1924 veröffentlichte Suomen Valtionmetsäin kartta (Karte der finnischen Staatswälder) führt uns genau in dieses Spannungsfeld. Sie ist weit mehr als ein forstwirtschaftliches Planungsinstrument – sie dokumentiert einen entscheidenden Wendepunkt und die Geburt einer souveränen Nation.